Istanbul historisch
Istanbul historisch
Schon immer ist der Bosporus mit Schiffen befahren worden, beispielsweise von der Argo der Argonauten. Menschen überquerten seine Gewässer von einem Ufer zum Andern. Ausgrabungen zeigen, dass viele dieser früheren Niederlassungen, die sich vor allem auf der anatolischen Seite von Istanbul befanden, sich mit der Zeit bis zum Strand ausdehnten.

Belagerung von Konstantinopel - istanbul
Schon 3000 v.Chr. sind sind Leute aus dem heutigen Europa ausgewandert. In der Absicht, sich in den südlichen Ländern niederzulassen, kreuzten sie die Meerenge und reisten nach Troja und den Ländern der Aegäis. Diese Auswanderungen häuften sich besonders am Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr., einer Zeit voll Not und Sorgen für die Menschen aus Südost-Europa und dem westlichen Teil der Halbinsel Anatolien. Ungefähr 1200 v.Chr. durchquerten die Phrygier die Meerenge, begleitet von den Bebrvkern, den Mysienern, den Kaukonen und Mosienern. Die breiten Schiffe der Phrygier überquerten den Bosporus, während die andern durch die Dardanellen zogen. Dann kamen die Tauren und Tribaien, die an der Donau lebten und welche wir von Herodots Bericht über Darius’ Feldzug gegen die Szythen kennen. Die erste Niederlassung, der erste Hinweis auf die zukünftige Stadt des Byzantiniums, scheint in der Nähe des Semistra Vorgebirges am Ende des goldenen Horns gelegen zu haben. Auch einige Schriftsteller haben Megara die eigentliche Stadt des Byzantiniums genannt. Es gibt jedoch nicht genügend Beweise, die diese Behauptung aufrechterhalten. Die einzige Verbindung zwischen Megara und Byzanz ist die Tatsache, dass beide Städte dem gleichen Götterkult huldigten. Ausser diesen nichtganz Sicheren Belegen wissen wir von alten Schriftstellern, dass die Stadt zwischen 658 und 657 v.Chr. von Byzas gegründet wurde. So’ ist die Geburt des byzantinischen Reiches schwierig zu definieren. Es gibt viele Legenden, welche die wirkliche Geschichte der Stadt verdunkeln.

Sulemaniye camii, Istanbul laleli - 1895
Darius liess auf seiner Heimreise seinen General und 80.000 Manner zurück, um die Griechen auf Hellas, die immer noch nicht das Oberkommando der Perser anerkannten, zu unterjochen. Der neue Satrap (Stadthalter) kam oft in die Stadt, um seine Pflicht zu erfüllen. Von einer dieser Reisen stammt die unsterbliche Schmähschrift Herodots gegen die Kalzedonier. Als die Römer in den Orient kamen. erachteten es die Byzantiner als notwendig, sich mit einer der streitenden Parteien zu verbünden. Im Konflikt zwischen Septimius Severus und Pecennus Niger schlossen sie sich unglücklicherweise Niger an. Deshalb wurde die Stadt drei Jahre lang von Septimus belagert und dann eingenommen (193-196 n.Chr.). Die Verteidiger wurden hingerichtet, die Mauern hieder gerissen ihr Status als Stadt zurückgezogen und per Stadt Perinthe (Heraclea von Marmara) angegliedert. Beeinflusst durch die Bitten seines Sohnes, baute Septimius Severus wenig später die Stadt wieder auf. Er .verschönerte sie und baute zusätzlich ein Theater, eine Rennbahn, Paläste und Bäder.

Constantinople Istambul
von dieser grossen Wiedergebwrt, erzählt uns Caracalla, nannte Septimius die Stadt Augusta Antonia, in Gedenken seines Sohnes Antonius Bossianus. Konstantin erkannte die Grösse seiner Eroberung und die versteckten Potentiale von Byzanz. Im November 324 n.Chr. erklärte er Byzanz zur neuen Hauptstadt des römischen Reiches. Die Lage der neuen Stadt stellte sich, vom militärischen und verwaltenden Standpunkt aus betrachtet, schnell als ideal heraus. Der Kaiser baute an der Seite d~r Akropolis einen Herrscherpalast. das Augustin- Forum und den Senat. Er liess die Rennbahn vergrössern, die Säule aus Porphyr von Rom kommen und stellte sie auf einem Forum auf das seinen Namen trägt, als Erinnerung an den Platz, wo er während der Belagerung sein Zelt aufgeschlagen hatte. Überall. wurden neue Monumente, Bäder, Springbrunnen und Plätze der Verehrung aufgebaut. Bald wurde Byzanz ein seltsames Gemisch von christlichen Säulen, heidnischen Gebäuden und neuen. Christus gewidmeten Kirchen, die Jungfrau und die Heiligen an der Seite heidnischer Tempel, erbaut zu Ehren von Hera, Hecate und Apollo. Theodosius der Grosse ordnete jedoch an, alle heidnischen Gebäude und Säulen zu zerstören. Nach dem Tode von Theodosius dem Grossen (378-395) wurde das römische Reich ‘zwischen seinen beiden Söhne aufgeteilt. Honorius nahm das Abendland und Arcadius den Orient. Zu dieser Zeit hat sich das römisch Reich das Orients bereits von selbst zum byzantinischen Reich entwickelt. Während des 6. Jahrhunderts, welches die zweite goldene Epoche von Byzanz darstellt, bestieg Justinian den Thron (527-565). Seine Weisheit brachte dem Reich einen gewaltigen Aufschwung. Aussenpolitisch schlug er die Bulgaren, Perser und Goten zurück. Innenpolitisch dankte er Belisarius, dem Kommandanten der Armee, der den Nika-Aufruhr mit dem Blut von 30.000 Rebellen der grünen Partei ertränkte. Justinian legte den Grundstein zu einem System für Gesetz und Verwaltung im Reich. Bewunderungswürdig wandte er sich den öffentlichen Arbeiten zu.

Istanbul Gülhane Park
Er verschönerte die Stadt und baute zahlreiche religiöse und .öffentliche Gebäude. Sein grösstes kunstwerk die unsterbliche Hagia Sophia, das Meisterwerk byzantinischer Architektur. Später (616-626) bedrohten die Perser die Stadt, während es die Araber 696, 672-678, und 717 ohne Gluck durch Belagerung vom Land und See aus versuchten. Im Jahre 672, bei einem Überfall auf die Stadt von der Seite des ggletenen Horns, fiel EyOp- EI- Ensäre, der letzte Berater des Propheten. .
Die Kreuzritter waren die nächsten, die nach Byzanz kamen. Die Anführer des vierten Kreuzzuges, geblendet vom Reichtum der Stadt, griffen Byzanz erstmals am 24. Juni 1203 bei Kalzedonia (Kadiköv) an. Sie waren zum Kampf bereit. Zusehr wurden sie durch die

Istanbul Fatih Sultan Mehmet
Herrlichkeiten der Stadt, ihrer vielen Paläste, Kirchen und Schätze, verführt. Am 13. April 1204 gelangs es ihnen, die Stadt in Besitz zu nehmen, nachdem sie diese in Brand gesteckt hatten~ Viele Seiten müssten gefüllt werden um eine v~lIe Beschreibung des Entsetzens zu geben. Im Wahnrausch zerstörte das christliche Heer ty1eisterwerke der Kunst aus neun Jahrhunderten. Alle metallenen Gegenstände verschwanden. Säulen und Goldtafeln der Kirchen wurden eingeschmolzen und in Goldstücke gegossen. Alles KoJtbare wurde gerau~t und in den Westen geschickt. Der Verlust an Menschenleben war gross, denn tauser.de von Griechen wurden massakriert. Dieses Unglück endete schliesslich, als Baudoin am 9. Mai 1204 zum Kaiser gewählt und am 16. Mai von den Abgeordneten des Papstes in der Hagia Sophia’ gekrönt wurde.
Ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 1261, zog General Melissene mit seinem und Michael Paläologe’s Heeren von Nizza nach Thessalien. Dort stiess er auf eine Söldnertruppe von Baudoin 11. Diese berichtete, dass die Stadt nur schwach bewacnt werde und die Armee Position im oberen Bosporus einnehme. Melissene beschloss, die Stadt zu überfallen\ Er heuerte die Söldner an und marschierte zur Stadt. Die Söldner öffneten bei ihrer Ankunft die Stadttore unld liessen die eindringende Armee durch. Dies geschah in der Nacht vom 25.auf den 26, Juli 1261. So endete das lateinische Reich im Orient.
Als nächstes folgte die Belagerung und Eroberung der Stadt durch die osmanischen Türken. Mehmet 11.der Eroberer (1451-1481), bestieg den Thron nach dem Tode seines Vaters Murad 11. Nachdem er den Staat der Beys von Karaman erobert hatte, träumte er davon, den Plan von Beyazid I. durchzuführen und die Hauptstadt zu besetzten. Mehmet 11. verliess Edirne im Februar 1453 und erreichte Ende März den Fuss des Festungswalles der Stadt. In der Dämmerung des 29. Mai gab die Kriegsmusik der Türken (Mehter) das Signal zum Angriff. Ander stadtmauer, mitden Toren die nach der Richtung Edirne blicken (Edirne Kapr) gelang den Söldnern der erste Durchbruch. Die Stadt war schnell eingenommen, der Sultan versprach den Christen seinen Schutz und setzte einen neuen Patriarchen ein.

Sultan ahmet Mitingi 1919
Seitdem floss in der Geschichte Istanbuls kein Blut mehr. Der Sultan verschönerte die Stadt mit prachtvollen Moscheen, reichen Palästen und schönen Brunnen. Nach der Wiedereinführung der Kalifenwürde baute Selim I. die grossen orthodoxen Kirchen für den Islam um. Süleyman 1., der Herrliche, Ahmet I. und Ahmet 111. halfen mit, die Stadt mit reichen Schätzen zu schmücken. Der Architekt Sinan, der in dieser Zeit lebte, entwarf zahlreiche Gebäude, Moscheen, Bäder, Brunnen, Paläste, Brücken und Aquädukte. Er hinterliess ein gigantisches, künstlerisches Vermächtnis, das heute viele Reisende und Kunstliebhaber anzieht Nach 469 jahren nach der osmanischen Niederlage, führte Atatürk die nationale Bewegung 1922 zum Sieg.1923 wählte Atatürk Ankara zur Hauptstadt der türkischen Republik. Aber Istanbul bleibt weiterhin die ewige Stadt, immer nachsichtig gegen Schöpfungen und Zerstörungen durch die Menschen.
